Gründung der Rotkreuzgemeinschaft Wemding

Im Sommer 1935 entstand bei einer Großübung der Sanitätskolonne Donauwörth in Wemding der Gedanke auch hier das Rote Kreuz neu zu aktivieren. Ausgangslage war eine angenommene Kesselexplosion in der Kalkwerk- und Hartsteinfabrik. Bei der Abschlussbesprechung im Gasthaus Fuchsen (Elendswirt) kam man zu der Überzeugung, dass es für Wemding angebracht wäre, eine eigene Sanitätsgemeinschaft zu formieren.

 

Bei der freiwilligen Feuerwehr bestand schon als Unterabteilung eine sogenannte Sanitätsgruppe auf die zurückgegriffen werden konnte. Bei einer Versammlung, der auch der damalige Sanitätsrat Herr Dr. Bayr angehörte, wurde die Gründung der "Sanitätsgemeinschaft Wemding" offiziell beschlossen. Als Gründungsmitglieder zeichneten sich besonders aus:

 

- Neubauer Anton sen.

- Vogel Franz

- Weingut Karl sen.

- Held August

- Strauß Andreas

- Hoffmann Fritz

- Zech Hans

 

Bald traten auch Frauen wie Binhammer Gertrud, Schröder Else, Held Ottilie der Gemeinschaft bei. Als Sanitätshalbzugführer wählte man Vogel Franz und als dessen Stellvertreter Neubauer Anton. Das Amt des Zeugwartes hatte Weingut Karl inne und als Schriftführer fungierte Hoffmann Fritz.

 

Nun konnte man beginnen. Sanitätsrat Dr. Bayr übernahm die Aus- und Weiterbildung in Maßnahmen der Ersten Hilfe. Unterrichtet wurde in den Räumen der Mädchen- bzw. Knabenschule. Praktische Übungen fanden jeweils an den Sonntagen mit der wenigen Gerätschaft die damals zur Verfügung stand irgendwo im Gelände statt. Im Winter wich man in die ehemalige Schrannenhalle im Rathaus aus. Für die Unterbringung der Ausrüstung konnte ein winziges Zimmerchen im ehemaligen Klosterfrauenhaus gewonnen werden.

 

Der Ausbruch des unseligen 2. Weltkrieges hatte auch Auswirkungen auf die örtliche Rotkreuzarbeit. Jetzt gab es andere Dinge zu tun. Die ganze Rotkreuzgemeinschaft wurde zentral in das Reservelazarett nach Donauwörth eingezogen, um dort betreuend und helfend tätig zu sein. Manche versahen sogar ihre Dienste in der Fremde wie Polen, Rumänien oder Rußland. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches und der Beendigung des Krieges gab es in Wemding kein Rotes Kreuz mehr.

 

Es muß 1946 gewesen sein, als sich wieder eine kleine Gruppe um Sanitätsrat Dr. Bayr sammelte - u.a. ein alter Sanitäter namens Josef Weiß aus München. Dieser bat Anton Neubauer sen. die übrig gebliebenen Mitglieder des ehemaligen Halbzuges Wemding zusammenzurufen. Man wollte wieder eine Rotkreuzgemeinschaft bilden. Dies gelang auch.

 

Der ehemalige Bahnhofsvorstand Josef Steinacker betreute von da an bis zu seinem Tode die Wallfahrtsgottesdienste, hauptsächlich an den Fatimatagen. Man sah dass es langsam wieder bergauf ging. Es wurden Kurse in Erster Hilfe abgehalten, die auf die örtliche Rotkreuzarbeit aufmerksam machten. Dadurch nahm die Mitgliederzahl stetig zu. Aus dem Halbzug entstand ein Zug und als Zugführer fungierte Anton Neubauer sen.

 

Ein Problem stellte die Unterbringung in geeigneten Räumlichkeiten dar. Dies war mit sehr vielen Schwierigkeiten verbunden und das Verständnis seitens der Stadt bzw. Bevölkerung ist damals noch nicht so gewesen wie heute. Es handelte sich schließlich nur um eine kleine Gruppe Idealisten ohne Sanitätswagen, die wenig Aufsehen in der Öffentlichkeit erregten. Trotzdem waren die Wemdinger Rotkreuzler stolz auf ihre Arbeit, ließen sich nicht entmutigen und erfüllten ihre Aufgaben mit großer Einsatzfreude und mit viel Eifer.

 

Zweimal jährlich fanden Spendensammlungen im Stadtbereich und in den umliegenden Dörfern statt. Sonntags war man zu Fuß oder per Zweirad unterwegs. Vielen Mitgliedern wuchs die Sache bald über den Kopf und sie traten wieder aus. Trotzdem blieb der Kern dem Gedanken des Roten Kreuzes treu.

 

Mit einer entsprechenden Unterkunft für die Mitglieder war es jedoch nach wie vor schlecht bestellt. Zu einer Gemeinschaft gehört bekanntlich auch ein vorzeigbares Heim, das man gemütlich herrichten kann und in dem man sich wohlfühlt. Die Kaminkehrerfamilie Grundl stellte neben ihrem Baderaum eine winzige Kammer mit Einrichtung zur Verfügung. Danach zog man in ein schmales Gelaß unterhalb der Stadtverwaltung. Dort war es jedoch so feucht, dass Verbandsmaterial durch die dort herrschende Nässe Stockflecken bekam. Endlich nach langem Ringen konnte man im ehemaligen Kindergarten im Schloßhof ein richtiges Heim beziehen. Nach Abriß dieses Gebäudes wurde dank Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Knoll sowie des Stadtrates als auch der Sparkasse Donauwörth ein ehemaliger Schulraum der früheren Knabenschule im Schloßhof zur Verfügung gestellt. In vielen Stunden fleissiger Eigenleistung entstand ein schöner, zweckdienlicher Raum. Feierlich überreichte der Bürgermeister dem Zugführer Anton Neubauer jun. im Beisein der Vertreter des Kreisverbandes als dem neuen "Hausherren" symbolisch die Schlüssel.

 

Inzwischen hatten sich viele Aktive dahingehend weitergebildet, dass sie im Rettungsdienst mit eingesetzt werden konnten. Sie halfen vor allem an den Wochenenden bei der Rettungswache Donauwörth aus. Dadurch waren die Wemdinger nun personell in der Lage mit einem Fahrzeug über die Erste Hilfe hinaus "richtigen Sanitätsdienst" zu leisten. Ihr Wunsch auch in Wemding einen eigenen Sanitätswagen für die Einsätze zu haben, ging damals leider nicht in Erfüllung.

 

Es kam jedoch durch die Initiative mehrerer Mitglieder zur Anschaffung eines Wohnwagens der zur "Mobilen Wache" ausgebaut wurde. Hierbei dürfen die zahlreichen Spenden der Bevölkerung, Geschäftswelt, Banken, Stadt und der Verwaltungsgemeinschaft nicht vergessen werden, die erheblich dazu beitrugen. Alle waren stolz auf das Erreichte, gaben jedoch den Gedanken an ein eigenes Rettungsfahrzeug nie ganz auf.

 

Am 15. Dezember 1985 wurde auch dieser Traum Wirklichkeit. Nach wiederholten Anträgen bei Herrn Bürgermeister Fackler und seinen Stadträten, die die Arbeit der Wemdinger Rotkreuzgemeinschaft immer sehr unterstützt haben, gelang es dem damaligen Zugführer Franz Schneid und seinen Kameraden endlich für Wemding ein eigenes Krankentransportfahrzeug zu bekommen. Dieses von der Stadt gekaufte Auto wurde speziell für den Rückholdienst eingesetzt. Es stand jedoch auch für Notfälle zur Verfügung und konnte ebenfalls bei Katastrophen herangezogen werden.

 

Wenn man zurückblickt zu den Anfängen und bedenkt, dass die alten Kameraden Kranke mit einer Zweiradtrage von zu Hause abholten und ins Hospital brachten, war es doch ein weiter Weg bis zum heutigen Tage.


Heut findet man die Bereitschaft Wemding in einer Unterkunft am Polsinger Weg 7 neben der Wemdinger Stadthalle. Dieses Heim wird nach und nach von unseren ehrenamtlichen Mitgliedern saniert. Aktuell ensteht gerade über den Fahrzeuggaragen ein neuer Schulungsraum für die Ausbildungen und Kurse für die Öffentlichkeit.